Viele kleine Unternehmen haben ein Logo – und trotzdem keinen Auftritt. Der Flyer nutzt eine andere Schrift als die Website, das Fahrzeug ein anderes Blau als die Visitenkarte, und bei Instagram macht jeder Beitrag, was er will. Das Ergebnis: Kunden erkennen das Unternehmen nicht wieder, und jede neue Drucksache beginnt bei null.
Ein Corporate Design löst genau das. Es ist kein dickes Handbuch, sondern ein kleines Set an Entscheidungen, die einmal getroffen und danach konsequent eingehalten werden. Für die meisten kleinen Betriebe reichen fünf Bausteine.
Schritt 1: Das Logo als Fundament
Alles beginnt mit einem Logo, das in allen Größen funktioniert – vom Kugelschreiber bis zur Fahrzeugbeschriftung. Es sollte in Farbe, in Schwarzweiß und als Negativversion auf dunklem Grund vorliegen, immer als Vektordatei. Legen Sie außerdem fest, wie viel Abstand das Logo zu anderen Elementen braucht (Schutzraum) und wie klein es maximal abgebildet werden darf. Wenn Sie schon ein Logo haben, das diese Anforderungen nicht erfüllt, ist ein behutsamer Refresh meist sinnvoller als ein Neustart. Was ein gutes Logo kostet, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.
Schritt 2: Zwei Farben – nicht zehn
Die häufigste Schwäche kleiner Marken ist Beliebigkeit bei den Farben. Entscheiden Sie sich für eine Hauptfarbe, die Ihre Marke trägt, und eine Akzentfarbe für Hervorhebungen und Buttons. Dazu kommen Schwarz, Weiß und ein bis zwei Grautöne für Text und Flächen. Jede Farbe braucht feste Werte für Druck (CMYK), Bildschirm (RGB/HEX) und idealerweise eine Pantone-Referenz für Beschriftungen und Textilien. Mit definierten Werten sieht das Blau auf dem Fahrzeug genauso aus wie auf der Visitenkarte.
Schritt 3: Eine Schrift, die überall verfügbar ist
Wählen Sie eine Schriftfamilie mit mehreren Schnitten (Regular, Bold, eventuell Light) für alle Texte und legen Sie fest, wofür welcher Schnitt verwendet wird: Überschriften, Fließtext, kleine Hinweise. Wichtig für den Alltag: Die Schrift muss auf den Rechnern verfügbar sein, auf denen Angebote und Briefe geschrieben werden. Deshalb gehört zum Corporate Design entweder eine lizenzierte Schrift für alle Arbeitsplätze oder eine Office-Ersatzschrift, die der Hauptschrift ähnlich ist. Eine zweite Schrift für Überschriften kann Charakter geben – mehr als zwei Schriften werden schnell unruhig.
Schritt 4: Bildsprache und Gestaltungsprinzipien
Wie sehen Fotos aus, die zu Ihrem Unternehmen passen? Hell und freundlich oder kontrastreich und reduziert? Echte Mitarbeiter oder Stock-Bilder? Eine Handvoll Regeln reicht: Lichtstimmung, Farbigkeit, Bildausschnitt, ob Menschen gezeigt werden. Dazu kommen einfache Gestaltungsprinzipien: Wo sitzt das Logo? Wie viel Weißraum bleibt? Werden Ecken abgerundet oder bleiben sie eckig? Solche Entscheidungen sorgen dafür, dass eine neue Drucksache in 20 Minuten steht – und trotzdem nach Ihnen aussieht.
Schritt 5: Regeln aufschreiben – kurz und praktisch
Alles bisher Beschriebene gehört in einen Styleguide. Für kleine Unternehmen reichen sechs bis zehn Seiten als PDF: Logo-Varianten und Schutzraum, Farbwerte, Schriften mit Verwendungsregeln, Bildsprache, zwei bis drei Beispielanwendungen. Der Styleguide ist das Dokument, das Sie an die Druckerei, den Webdesigner, den Schilderbauer und die neue Kollegin geben. Er spart jedes Mal Rückfragen und verhindert, dass der Auftritt mit jedem Dienstleister ein Stück auseinanderdriftet.
Ein Corporate Design ist fertig, wenn ein Fremder mit dem Styleguide eine Visitenkarte gestalten könnte, die aussieht, als käme sie von Ihnen.
Was es kostet – und was es spart
Ein komplettes Branding-Paket mit Logo, Farbwelt, Typografie, Bildsprache, Visitenkarte und Styleguide bewegt sich für kleine Unternehmen zwischen 1.500 und 4.000 €. Das klingt zunächst nach viel – bis man gegenrechnet, was Beliebigkeit kostet: jeder Flyer wird neu erfunden, jede Drucksache braucht Abstimmungsschleifen, und die Kunden verbinden den Betrieb mit keinem klaren Bild. Ein sauberes Corporate Design amortisiert sich meist innerhalb des ersten Jahres allein durch schnellere Produktion.
| Baustein | Mindestumfang für kleine Unternehmen |
|---|---|
| Logo | Farbe, Schwarzweiß, Negativ; SVG/PDF/PNG; Schutzraum, Mindestgröße |
| Farben | Hauptfarbe, Akzentfarbe, Schwarz/Weiß/Grau – als CMYK, RGB, HEX |
| Schrift | Eine Familie mit 2–3 Schnitten, Office-Ersatzschrift |
| Bildsprache | 3–5 Regeln, Beispielbilder, Bildbearbeitungsstil |
| Styleguide | 6–10 Seiten PDF mit Anwendungsbeispielen |
Häufige Fehler beim Start
- Zu viel auf einmal. Starten Sie mit Logo, Farben und Schrift. Bildsprache und Vorlagen können nachwachsen.
- Trends statt Haltung. Ein Corporate Design soll fünf bis zehn Jahre tragen. Pastellverläufe und Trend-Schriften altern schnell.
- Regeln, die niemand kennt. Der beste Styleguide nützt nichts, wenn er in einem Ordner verschwindet. Geben Sie ihn jedem Dienstleister mit.
- Ausnahmen aus Bequemlichkeit. „Nur dieses eine Mal ein anderes Blau“ ist der Anfang vom Ende jeder Konsistenz.